„Diesen Job würde ich auch umsonst machen.“- Interview mit Julia zu ihrem Beruf als Setzerin

Setzerin VerlagswesenIn unserem ersten Gespräch mit Menschen aus dem Verlagswesen sprechen wir mit Julia. Sie arbeitet als Setzerin / Mediengestalterin in einer kleinen, aber feinen Satzagentur in Stuttgart-Mitte. Von ihr erfahren wir, wie sie dort gelandet ist, was an dem Beruf glücklich macht und was sie Studenten und Berufsanfängern zur Orientierung rät.

 

Liebe Julia, du bist bei einer Satzagentur in Stuttgart beschäftigt. Wie bist du zu deinem Beruf als Setzerin gekommen?

Nach meiner Ausbildung zur Buchhändlerin wollte ich unbedingt in die Verlagsherstellung, da ich am Entstehungsprozess eines Buches teilhaben wollte. Während meines Studiums (Mediapublishing an der Hochschule der Medien in Stuttgart) nahm mein Interesse an Gestaltung immer mehr zu. Ich habe dann beschlossen, tiefer in das Feld einzusteigen. Durch eine Empfehlung einer ehemaligen Kollgin aus meinem Praxissemester bin ich schließlich in der Satzagentur gelandet.

Hattest du – als du diesen Job angefangen hast – Bedenken oder Zweifel?

Ja, hatte ich, da im Studium das gestalterische Angebot eher gering war und die Gestaltungsprogramme eher oberflächlich behandelt wurden. Hilfreich war für mich eben, dass ich während des Studiums nebenher stets viel gestaltet habe und so mit den Programmen vertrauter wurde.

Wie sieht aktuell ein „normaler“ Tag bei dir aus?

Türe aufschließen, Rechner hochfahren, Projekte abarbeiten, nach Hause gehen. Im Team Aufträge verteilen und abstimmen, Layouts erstellen, Cover-Gestaltung, Satz, Daten archivieren, Druckdaten erstellen, Abstimmung mit Kunden, Terminpläne einhalten und mit meinen Kollegen essen gehen.

Gehen wir einmal kurz davon aus, dass deine Chefin das hier nicht liest: Würdest du all das auch umsonst machen?

Ja.

Woran hast du bei dir selbst gemerkt, dass du diesen Beruf ausüben willst?

Das war während des zweiten Semesters. Da habe ich gemerkt, dass ich nicht nur in der Verlagsherstellung sitzen will, sondern aktiv am Gestaltungs- und Produktionsprozess teilhaben möchte. Bei uns nimmt ein Buch letztlich seine Form an und wir machen eine Idee sichtbar – das ist extrem faszinierend! Das ist das Schöne am Beruf: Man begleitet ein formloses Manuskript bis es ein druckfähiges Buch ist.

Das heißt also, dass du schon einen kreativen Spielraum bei diesen Aufträgen hast?

Auf jeden Fall. Selbst bei Aufträgen mit recht klaren Vorgaben vom Verlag kommt bei jedem Gestalter etwas völlig anderes heraus. Alleine schon durch die Text-Bild-Kompositionen habe ich die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen.

Was findest du an deinem Beruf am schönsten?

Tatsächlich das Erstellen von Layouts und eine zielgruppengerechte Gestaltung auszuarbeiten und dabei das Zusammenspiel verschiedener Schriften auszubalancieren. Der Beruf ist zudem durch die unterschiedlichen Kunden sehr vielseitig.

Was für ein Gefühl ist das für dich, in einen Buchladen zu gehen und ein von dir gesetztes Buch zu entdecken?

Schlicht und einfach: Es macht glücklich!

Was empfiehlst du Studenten, die sich noch nicht ganz sicher sind, welchen Pfad im Verlagswesen sie einschlagen sollen?

Sie sollen herausfinden, wofür sie wirklich brennen, da man im Verlagswesen ja doch in sehr unterschiedliche Richtungen gehen kann. Sobald man als Student merkt, dass man sich in seiner knappen Freizeit damit beschäftigt, ist das ein ganz gutes Zeichen.

Julia, danke für das offene Gespräch.

admin